Borneo (2. Woche)


Es gibt sie doch dachten wir es uns, als wir an dem ersten Tag in Lahad Datu einen Ausflug an der Küste entlang machten. Wir entdeckten Strände, an denen Schulen standen und nicht Herbergen für die Touris ;-) Na ja wieso soll nur die Polizei in diesem Land schöne Standorte haben? Schulen sind auch wichtig!

strand11

Nachdem wir den Strand in beiden Richtungen inspiziert hatten, erforschten wir das unbekannte Gebiet weiter – den auf der Karte von Reise Know How gab es ab sofort keine Straßen mehr! Dafür dass es diese Straße nicht geben sollte, wurde ihre Qualität immer besser :-) Wir entdeckten nicht nur neue Straßen sondern auch neue Metropolen, die auf keine Straßenkarte zu finden waren – aber in den das Leben nur so pulsierte! Und auch wenn wir es kaum glauben wollten – wir haben auch ein Ressort gefunden! Richtig schön an einem recht breiten Strand gelegen. Super sauber, unglaublich ruhig und mit einem kleinen Wäldchen zwischen Haus und Strand. Hätten wir das bloß eher gewusst! So haben wir uns die Angaben notiert (für das nächste Mal).

strand21

Nach der zweiten Nacht in Lahad Datu fuhren wir dann Richtung Sukau, wo sich entlang des Kinabatangan mehrere Logges für Touristen befinden, welche auch Flussfahrten anboten. Sauteuer ist noch untertrieben! Aber wir erklärten einem Angestellten, dass er sofort auf mehr Geld bei seinem Chef pochen soll, bissen in den sauren Apfel und blieben in der Sideriver Logge für eine Nacht. Der Angestellte, der für unser Wohl zuständig war verdiente im Monat 400 RM (ca. 80 Euro). Wir zahlten pro Person 325 RM! Was in keinem Verhältnis zu den sonst üblichen Preisen in diesem Land steht! Ich hoffe nur, dass zumindest die WWF etwas von dem Geld abbekommt, oder dass der Angestellte eine Gewerkschaft bilden wird! Aber egal – es ist nicht so, dass wir uns das nicht leisten können – unverschämt fanden wir nur, dass es in einer Tasche landet und nicht gleichmäßig verteilt wird.

Wir kamen in Sukau zu Lunch-Zeit – so dass wir dort noch ein Mittagessen bekommen haben und um 16:30 Uhr sollte es auf den Fluss gehen. Vorher kamen noch mehr Touris per Schiff aus Sandakan, unter ihnen zwei Deutsche, so dass wir ab sofort etwas Gesellschaft hatten. Bevor es auf das Schiff ging sind wir erst auf einen Vogelbeobachtungsturm gestiegen und genossen die Gegend – leider keine besonderen Vögeln. Als die Abfahrtzeit sich näherte, wurde auch das Wetter schlechter – es fing etwas zu regnen – was sich dann doch aber verflüchtigt hat :-)

Rainer und ich bekamen Platz in der ersten Reihe :-) hinter uns saßen dann noch weitere 5 Touris, unser Führer und der Bootsmann. Ab ging es in einem Affentempo zu einer Abzweigung von Kinabatangan, wo die Nasenaffen wohnen sollten. Da haben wir doch bemerkt, mit den Affen ist es wie mit den Pilzen – am schwierigsten ist es den ersten zu finden ;-) Danach sah man immer wieder welche in den Bäumen sitzen. Die, welche wir gesehen haben, sind wohl keine wichtigen Männchen gewesen, da ihre Nasen noch recht stupsig und klein waren. Es machte aber Spaß ihnen zuzusehen, wie sie vom Baum zu Baum sprangen.

nasenaffen

Auf einem weiterem Ast entdeckte unser Führer einen Leguan über dem Wasser hängen. Diesen Burschen konnte man auch gut fotografieren – er bewegte sich nicht :-)

leguan

Unser Guide bekam plötzlich eine Info! Er fragte uns, ob er drehen darf und dass er uns etwas besonders zeigen will – er kann nichts versprechen – aber wenn wir Glück haben, dann bekommen wir Elefanten zu sehen! Also drehen wir um – die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer – hinter uns drehen gleich weitere Boote mit. Wir fahren noch mal an unserem Ressort vorbei und wechseln das Boot – mehr PS! Jetzt geht die Jagd weiter.

ewa-am-fluss

Im Fluss schwimmen ganze Baumstämme und die sind hier wirklich sehr groß – unser Bootsmann schafft es aber diesen toll auszuweichen – was ich sehr schätze, da es angeblich in diesem Fluss auch Krokodile gibt. Und auf die im Wasser habe ich keine Lust!

Nach ca. 15 min wilder Fahrt kommen wir zu den Elefanten! Sie sind wirklich da :-) Gut, es sind zwar auch mehr Touristen als Elefanten vor Ort – aber das macht nichts! Es sind an die zehn Tiere. Kleine, große und mittlere. Erst etwas von dem hohem Gras am Ufer versteckt – aber so ein bisschen Gras ist doch nix für einen Elefanten – sie fressen uns die Sicht buchstäblich frei :-)

Alle sind hell auf begeistert. Wir natürlich auch. Rainer macht Unmenge an Fotos – leider sind nicht alle etwas geworden. Aber was man gesehen hat, dass hat man ;-)

elefanten

Schon auf dem Weg zu den Elefanten sind wir an einem Tukan vorbeigefahren. Jetzt auf der Rückfahrt saß er immer noch in seinem Baum und wartete auf uns. So konnten wir auch noch diesen doch recht seltenen Vogel von allen Seiten begucken, und als ob das nicht genug wäre kam noch einer dazu. Auch andere Arten von den Hornbills gesellten sich noch in den neben stehenden Bäumen hinzu, so dass wir wirklich auf unsere Kosten gekommen sind.

tukan

Zum Abendessen sollten wir uns alle umziehen – jeder bekam bei der Ankunft ein Röckchen („Sarong“) mit einer Erklärung, wie es bei den Männern und wie bei den Frauen zu binden ist. So tanzten wir alle in Röckchen zum Dinner auf.

Dieser Tag ist voller Erlebnisse und toller Erinnerungen zu Ende gegangen. Klar sind die Preise für unsere Verhältnisse ein klacks! Aber man bedenke, dass sie in keinem Verhältnis zu irgendetwas stehen! Es ist reine Abzocke – gut, recht humanitär – denn es werden nur Ausländer abgezockt ;-)

Am nächsten Tag sind wir sehr früh aufgestanden (normalerweise geht der Wecker bei uns jeden Tag um 7:00 Uhr an) – an diesem Tag noch eher! Wir wollen noch vor dem Frühstück eine Dschungelwanderung machen. Am Ressort ist ein kleiner Weg durch den Dschungel ausgewiesen – mit großen Versprechen, was man alles zu sehen bekommen kann. Klar wenn man aus dem Dschungel kommt sieht man bestimmt das eine oder andere mehr ;-) Wir haben immer hin mehrere Rollwürmer (ist bestimmt nicht die korrekte biologische Bezeichnung) zu sehen bekommen, ein paar Schmetterlinge, ein Eichhörnchen und zwei Blutegel! Gut, die letzteren haben wir auch rechtzeitig bemerkt – so dass wir sie abschütteln konnten.

Als wir aus dem Dschungel herauskamen, waren wir wieder plitsch-nass! Also schnell umgezogen, und leicht stinkend haben wir uns ans Frühstücktisch gesetzt. Da wir aber alleine am Tisch saßen hoffe ich sehr, dass wir keinen gestört haben.

Es ist wirklich schön hier, dachten wir uns bei unserer Abfahrt. Wir bedankten uns bei unserem guten Geist und fuhren weiter Richtung Sandakan. Unterwegs warteten auf uns noch die Gomatong-Höhlen. Sie gehören, glaube ich, zu den größten Höhlen in Borneo. Im Inneren sollen Schwalben nisten. Zwei Mal im Jahr werden ihre Nester geraubt. Diese erzielen dann am chinesischen Markt horrende Preise. Die Leute, die diese Nester pflücken, wohnen gleich in der Nähe der Höhlen. Es ist bestimmt kein Zuckerschlecken dieser Job, dieser Meinung bin ich vor allem nach dem ich in der Höhle war.

In ihr nisten nicht nur Schwalben sondern auch Tausende von Fledermäusen – soll ich noch weiter erzählen? Die Scheiße, vornehm Guano genannt, steht Knie-hoch! Aus diesem Grund wurden für die Touristen Holzstege gebaut. Nur auch diese sind nicht sauber – geht doch gar nicht anders! Das Geländer sollte man lieber nicht anfassen – es seit dem im äußersten Notfall – den auch dieses bleibt nicht verschont. In der Höhle herrscht unglaublicher Gestank! Ich hätte liebend gerne auf den Besuch verzichtet – aber Rainer kann keiner Höhle aus dem Weg gehen – also auch dieser nicht.

caves

Nicht nur Schwalben und Fledermäuse sind dort anzutreffen – nein auch Millionen, wenn nicht Milliarden von Kakalaken und anderen Kreaturen, von den ich gar nicht den Namen wissen will
Auf dem Geländer entdeckte ich eine zusammen gerollte Schlange

caves-tiere

von der haben uns die beiden Deutschen, die mit Ihrem Führer in der Höhle kurz vor uns gewesen sind, nicht gewarnt – so gehen wir davon aus, dass sie sie übersehen haben. Ein weiterer Führer, dem wir ein Bild von der Schlange gezeigt haben, meinte es wäre Gelbe Rasierklinge – auch ein netter Name! Nur gut, dass sie sich nicht bewegt hat, den laufen konnte man da schlecht!

Als wir aus der Höhle heraus kamen, war ich echt erleichtert, der Gestank blieb aber in meiner Nase noch lange haften.

Auf dem Weg zum Auto stießen wir auf eine Gruppe Affen, die sich um den Holzsteg versammelte. Auch der Chef kam zu uns herunter, um uns zu zeigen, wer hier das sagen hat – vielleicht deswegen sind die Bilder von ihm immer so unscharf – aber die anderen sind ganz nett geworden :-)

caves-affen

Jetzt geht die Reise dann endgültig weiter nach Sepilok (Sandakan). Es ist ein Orang-Utan-Rehabilitationszentrum. Dort befinden sich die Orang-Utans, die beim Wildern in den Obstplantagen erwischt worden sind, und auch kleine Babys, welche bei Wilderern beschlagnahmt wurden. Hier lernen sie das Leben im Dschungelwald und werden dann wieder im Dschungel freigelassen, nachdem sie alles gelernt haben. Wir suchen uns ein Ressort aus, das nur ein paar Minuten von dem Zentrum entfernt liegt, und finden ein kleines Paradies.

So wohnen wir wieder in einem Häuschen, das an einem See liegt, das Badezimmer sieht aus, als ob es aus einem Schöner Wohnen Heft herausgesprungen wäre.

hotel

Es ist unglaublich still hier und rund herum blühen Orchideen.

orchideen

Ursprünglich wollten wir hier nur eine Nacht verbringen – aber es werden doch drei :-)

Abends auf der Terrasse sitzend, beobachten wir die Tukans, hören den Geräuschen des Dschungels zu und genießen die Zeit, die wir hier noch verbleiben dürfen. Gut, dass uns dieses Plätzchen nicht auf dem Hinweg begegnet ist, denn sonst hätten wir wohl nichts mehr von Borneo mitbekommen.

paradies

Wie gesagt in der Nähe liegt das Orang-Utan-Zentrum. Um drei Uhr gibt es dort eine Fütterung, zu der, falls wir Glück haben, außer Touristen auch ein paar Orang-Utans kommen werden. Wir haben wirklich Glück! Schon eine halbe Stunde vor dem Termin zeigt sich der erste Orang-Utan, dann kommen noch zwei weitere. Man merkt, dass es auch hier direkte Gefühle eine Rolle spielen, man geht sich aus dem Weg oder mag sich. Die von den Betreuern mitgebrachten Bananen finden nicht so einen großen Absatz wie das Getränk. Wohl ein Gemisch aus Wasser und Milch. Als die Schüssel leer ist, wird sie von dem letzten Orang-Utan noch mal gründlich ausgeleckt.

orangutans4-72

Rainers geführte Nachtwanderung durch den Dschungel ist nach über einer Stunde zu Ende. Den Bauchnabel haben wir dieses Mal vorsorglich zugeklebt ;-) So ganz alleine kam er nicht heim – einen kleinen Egel fand er in seiner Hose. Aber gebissen wurde er dieses Mal nicht! Danach gab es Abendessen und eine Pause auf der Terrasse! Das Leben kann manchmal verdammt schön sein! Ich bekomme zu sehen, was Rainer an Bildern mitgebracht hat. Unter anderen einen Blutegel der sich von einer Blattspitze (deswegen kommen sie auch bis zum Bauch!) zu einer Wärmquelle streckt, einen kleinen Vogel, der unter einem Blatt Regenschutz sucht, zwei Lorris, eine Viper, die hoch oben in den Bäumen hängt, und einen schwarzen Skorpion, der sich in einer Baumhöhle versteckt.

nacht

 

2 Kommentare

  1. Also das mit den Fledermaus Höhlen hätte ich auch nicht gebraucht, aber der Rest klingt einfach traumhaft.
    Alleine schon das Bad……herrlich ;-)

    Liebe Grüsse
    Sonja

  2. Ein sehr interessanter Artikel. Sollten Sie noch weitere Informationen haben – wurde ich mich freuen

Kommentieren